/Warum DAS 2019 eine Meldung wert ist: Ottawas Bürgermeister outet sich

Warum DAS 2019 eine Meldung wert ist: Ottawas Bürgermeister outet sich

Fast vier Jahrzehnte habe es ihn gekostet, diese Worte zu äußern: „Ich bin schwul.“ Der Bürgermeister der kanadischen Hauptstadt Ottawa, Jim Watson (58), hat sich als homosexuell geoutet.

Warum DAS 2019 noch immer eine Meldung wert ist:

► Weil Watson es offenbar genau so wollte! Warum sonst schreibt er extra einen Brief, den er dann in der „Ottawa Citizen“ veröffentlichen ließ?

► Weil gerade junge Menschen Vorbilder brauchen. Egal, ob es ein Fußballer, eine Schauspielerin oder ein Bürgermeister ist.

► Weil Jim Watson mit seinem öffentlichen Coming-out vielleicht vielen Menschen geholfen hat, zu sich selbst zu stehen.

► Weil Homosexualität nur scheinbar dann überhaupt „kein Thema mehr“ ist, solange es nicht „überstrapaziert“ wird. Solange sich nicht ständig „alles nur um Schwule dreht“ (Original-Zitate von Kommentaren auf unserer Facebook-Seite).

„Besser spät als nie.“

„So, ich habe es gesagt, oder besser, ich habe es geschrieben. Aber wie man so sagt: Besser spät als nie“, so Watson. Mit 30 Jahren wurde er in den Stadtrat gewählt, im öffentlichen Leben war seine Sexualität nie ein Thema. Trotzdem findet er: „Aber im Nachhinein war es ein großer Fehler, nicht früher mein Coming-out zu haben.“

Warum er so lange damit haderte, erklärt Watson dann tatsächlich so: „In meinem Kopf drehten sich meine Gedanken darum, wie wohl meine Familie und meine Freunde reagieren würden. Würde es meine Beziehung zu meinen Wählern beeinflussen?“

„Danke, dass Sie diese Geschichte mit uns geteilt haben, Jim.“

Er rate zwar jedem, sich nicht unter Druck zu setzen, aber „40 Jahre warten sollte man auch nicht“. Durch seine Zurückhaltung habe er kein Leben „so voller Abenteuer und Liebe“ leben können wie seine schwulen Freunde, „die mutiger waren als ich es jemals war“.

Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau zeigte sich via Twitter beeindruckt: „Mutige Worte, von denen ich überzeugt bin, dass sie die Bürger Ottawas – und alle Kanadier – dazu anspornen werden, sich frei zu fühlen, sie selbst zu sein. Danke, dass Sie diese Geschichte mit uns geteilt haben, Jim.“

„Ich bin überwältigt über die vielen freundlichen und rücksichtsvollen Botschaften“, bedankte sich Watson via Twitter für die vielen Reaktionen auf seinen Brief.


Zwei Männer, die
Im kommenden Jahr wird Jim Watson (58, l.) die Pride-Feierlichkeiten wohl noch einmal aus einem neuen Blickwinkel erlebenFoto: REUTERS


Vielleicht hat Watson mit seinem Brief dem einen oder der anderen Mut gemacht. Allein DANN war es die Meldung schon wert …

Mehr LGBTQ-News gibt’s auf Facebook – jetzt Queer BILD folgen.