/Urwaldstadt Roboré seit 14 Tagen von Flammen umzingelt – Einwohner: „Helft uns endlich!“

Urwaldstadt Roboré seit 14 Tagen von Flammen umzingelt – Einwohner: „Helft uns endlich!“

Roboré (Bolivien) – Die Lage in dem vom Feuer nahezu eingeschlossenen Ort Roboré (Bolivien) spitzt sich von Tag zu Tag dramatisch zu.

Die 10 000 Einwohner zählende Kleinstadt liegt inmitten eines Trockenwaldes, seit 14 Tagen fressen sich die Flammen durch die Dürregebiete Richtung Roboré. Die wenigen Rettungskräfte haben erkennbare Mühen, die Flammen unter Kontrolle zu bekommen.

Videoaufnahmen vom Samstag zeigen die dramatische Lage. An der Straße nach Roboré lodern die Flammen, Rauch behindert die Sicht, die Brände springen von einer Seite zur anderen. Die Menschen auf der Straße flüchten zu ihren Autos, fassungslos und voller Angst vor dem, was sie dort sehen.


Die Straße noch Roboré am Samstag in dichten Rauch gehüllt, die Feuer reichen bis an die Fahrbahn
Die Straße nach Roboré ist am Samstag in dichten Rauch gehüllt, die Feuer reichen bis an die FahrbahnFoto: BILD

Samstagabend kam es im Zentrum von Roberé zu einer spontanen Demonstration. Mehr als 200 Menschen protestierten lautstark gegen die mangelnde Hilfe der Regierung. „Helft uns endlich! Wir brauchen internationale Hilfe. Unsere Politiker schaffen das nicht“, skandierten die Demonstranten.

Offenbar ist bislang wenig Hilfe in die entlegene Region vorgedrungen. Es mangele an Nahrung, Wasser und medizinischer Hilfe, so Rocio Lloret, eine lokale Journalistin, zu BILD. „Um Roboré gibt es noch Dörfer in den Wäldern, die vom Feuer eingeschlossen sind.“


Die Einwohner von Roboré versuchten am Samstag mit einer Demonstration auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen
Die Einwohner von Roboré versuchten am Samstag mit einer Demonstration auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machenFoto: BILD

Auch die wenigen Rettungskräfte schlagen Alarm. „Unsere Ausrüstung ist uralt. Die Sohlen lösen sich bei dem heißen Boden von den Schuhen“, schimpft ein Feuerwehrmann. Roboré ist von der Regierung zum Notstandsgebiet ausgerufen worden.

Die bolivianische Regierung setzt daher seit dem Wochenende ein Super-Löschflugzeug ein: Die umgebaute Boeing 747 kann rund 75 000 Liter Wasser tanken und auf die Brände abwerfen.


Die zum Löschflugzeug umgebaute Boeing 747 fasst bis zu 75 000 Liter Löschwasser
Die zum Löschflugzeug umgebaute Boeing 747 fasst bis zu 75 000 Liter LöschwasserFoto: STR / AFP

„Wir planen vier Löscheinsätze pro Tag“, sagte Boliviens Verteidigungsminister Javier Zavaleta der bolivianischen Zeitung „La Razón“.

BILD-Reporter sind auf dem Weg nach Roboré

BILD-Reporter sind auf den Weg in die Stadt. Was sie sehen, ist dramatisch.

Die sonst gelb glänzende Sonne strahlt nicht mehr. Sie ist matt und bekommt von dem Ruß in der Luft eine schmutzige Farbe. Es riecht nach beißendem Rauch – es sind noch 400 Kilometer bis Roboré.


Das BILD-Team auf der Straße nach Roboré: Peter Hell, Avzin Arbilly und Andreas Thelen
Das BILD-Team auf der Straße nach Roboré: Peter Hell, Avzin Arbilly und Andreas Thelen Foto: BILD

Links und rechts der Straße ragen die verbrannten Baumstumpfe aus der Erde. Die Region Chiqitania ist Trockenland hier grasen normalerweise Millionen von Rindern – Zebus.

Das Land ist auch begehrte Anbaufläche für Weizen und Soja. Und der Bedarf wird größer – an Futter für die Rinder und Fleisch für die Menschen.

In Bolivien sollen über 700 000 Hektar Land betroffen sein. Die meisten der Brände sind durch Brandstiftung entstanden.