/Testen sie ihr Mörderwissen: Fünf Geheimnisse aus der Rechtsmedizin | Regional

Testen sie ihr Mörderwissen: Fünf Geheimnisse aus der Rechtsmedizin | Regional

In einem weiß-gekachelten Raum liegt ein Toter auf einem Stahltisch. Ein Mann im weißen Kittel, alt und etwas muffelig, schnippelt an einer Leiche herum. Dem Kommissar schildert er genervt nebenher, wie und wann der Tote umgebracht wurde: Oft sind es TV-Klischees, die unsere Vorstellung von der Gerichtsmedizin beherrschen. Doch jetzt wird mit den größten Irrtümern aufgeräumt!

Berlin – In seinem neuen Buch „Schwimmen Tote immer oben?“ (ab 2. September, Droemer Knaur, 12,99 Euro) schreibt Michael Tsokos (52), Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Charité, die Wahrheit über seinen Job. Hätten Sie gewusst, dass …

… es bei den meisten Sektionen in der Gerichtsmedizin nicht um Morde geht?

2100 Obduktionen führen Tsokos und sein Team pro Jahr durch. Bei nur knapp 100 Fällen geht es um Tötungsdelikte. Suizide machen 25 Prozent aus, 20 Prozent sind tödliche Unfälle. Der große Rest sind am Ende natürliche Todesfälle wie z.B. ein Herzinfarkt.

Teaser-Bild

Tsokos’ neues Buch erscheint am 2. September

Foto: Droemer

… Leichen auf dem Wasser nicht mit dem Gesicht nach oben treiben?

Fast alle Ertrinkenden gehen in Bauchlage im Wasser unter. Ihnen fehlt der Auftrieb durch luftgefüllte Lungen. Wasserleichen treiben in der Regel direkt über dem Grund des Gewässers. Dadurch können bei steinigem Grund schwere Verletzungen an Handrücken oder Zehen entstehen.

… nicht erst viele Jahre vergehen müssen, bis eine Leiche mumifiziert ist?

Mumifikation ist die starke Austrocknung des Leichnams. Vor allem wenn Temperatur, Luftzug und -feuchtigkeit stimmen, kann es bis zur „natürlichen Mumifikation im häuslichen Milieu“ nur zehn bis 17 Tage dauern.

… schwarze Lungen nicht Raucherlungen sein müssen?

10 000 Lungen hat Tsokos bereits seziert. Er sagt: Wer jahrzehntelang Auto- oder Industrieabgase eingeatmet hat, kann auch eine Kohlenstaublunge haben. Und schneeweiße Lungenflügel, die zumeist auf Zigarettenbildchen abgebildet sind und Nichtraucherlungen zeigen sollen, sind Fälschungen. „Nicht mal die Lungen von Babys sind weiß, sondern hellrosa“, so Tsokos.

… Autoerotik nicht im Auto stattfindet?

Der Begriff hat nichts mit einem Kfz zu tun, sondern mit erotischen Handlungen eines Menschen. Wenn es am Ende eine Leiche gibt, weil sich eine Person beispielsweise beim Masturbieren stranguliert hat, spricht der Rechtsmedizinier von einem „tödlichen autoerotischen Unfall“. Tsokos sagt, dass sich Menschen im Trieb in Fliegeroveralls oder Trockentauchanzüge quetschen, ihre Bauchdecke öffnen oder ihre Hoden auf Holzbretter nageln. Doch war es ein Unfall, Suizid oder Tötungsdelikt? „Es macht Sinn, einen Rechtsmediziner zum Leichenfundort zu rufen“, so Tsokos. Diese hätten oft mehr Erfahrung als Polizisten.