/Nach Hetz-Predigt: Widerstandskämpferin (92) fordert „Respekt für LGBT“

Nach Hetz-Predigt: Widerstandskämpferin (92) fordert „Respekt für LGBT“

Der Kulturkampf in Polen erreicht einen neuen Höhepunkt …

Nachdem am 1. August der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski (70) bei einer Predigt zum Jahrestag des Warschauer Aufstandes die Anwesenden vor einer „LGBT-Plage“ warnte und über eine bevorstehende „Regenbogen-Pest“ hetzte, melden sich nun Überlebende des Warschauer Aufstands von 1944 zu Wort. Denn: Sie sind zutiefst empört über die Predigt des Erzbischofs.

In einer nun veröffentlichten Stellungnahme, die das LGBT-Portal queer.pl veröffentlichte, wüten die einstigen Widerstandskämpfer gegen Bischof Jedraszewski:

Wir wissen nicht, wie viele Menschen es unter unseren Freunden gab, denen der Schöpfer die heute als LGBT bezeichneten Eigenschaften verlieh. Wir wissen nur, dass sie unter uns waren, gekämpft haben und gestorben sind. Und sie verdienen Erinnerung, Respekt, Anerkennung und Gebet. Die Worte des Erzbischofs, denen wir als Christen und Mitaufständische zutiefst entgegenstehen, haben damit nichts zu tun.

Aufstand der über 90-Jährigen gegen LGBT-Hetze

Initiiert wurde die Antwort zahlreicher Unterzeichnender von der ehemaligen Krankenschwester Anna Przedpelska-Trzeciakowska (92), die am Aufstand 1944 beteiligt war. Heute ist sie eine bekannte Autorin und Übersetzerin.

Die Predigt erhielt wegen der homofeindlichen Hetze mediale Aufmerksamkeit, in Krakau und Warschau kam es zu spontanen Kundgebungen gegen den Bischof.


Ende Juli kam es zu mehreren spontanen Kundgebungen gegen die Hetze der katholische Kirche
Ende Juli kam es zu mehreren spontanen Kundgebungen gegen die Hetze der katholische KircheFoto: Czarek Sokolowski / dpa

Zu den weiteren Unterzeichnern der Erklärung gehören: Wanda Traczyk-Stawska (92), Anna Jakubowska (92), Krystyna Zachwatowicz (89) und die Vize-Präsidenten der Vereinigung der Widerstandskämpfer, Halina Jedrzejewska (92) und Zbigniew Galpery (90).


Das sich besonders die ältere Generation für LGBTQ-Menschenrechte einsetzen, begrüßen die Aktivisten in Polen
Dass sich besonders die ältere Generation für LGBTQ-Menschenrechte einsetzt, begrüßen die Aktivisten in PolenFoto: Kay Nietfeld / dpa

Der Warschauer Aufstand

Rückblick: Nach fast fünf Jahren Terrorherrschaft versuchten die deutschen Besatzer Anfang August 1944 die Menschen aus der polnischen Hauptstadt zu vertreiben. Knapp 45 000 Widerstandskämpfer kämpften damals 63 Tage lang – der Aufstand wurde am Ende blutig niedergeschlagen. Mehr als 200 000 polnische Freiheitskämpfer und Zivilisten wurden dabei getötet.


Außenminister Heiko Maas (52) gedachte Ende Juli der Kämpfer des Warschauer Aufstands
Außenminister Heiko Maas (52) gedachte Ende Juli der Kämpfer des Warschauer AufstandsFoto: Kay Nietfeld / dpa

Am 31. Juli gedachte Außenminister Heiko Maas (52, SPD) gemeinsam mit seinem polnischen Amtskollegen Jacek Czaputowicz (63, PiS) und Präsident Andrzej Duda anlässlich des 75. Jahrestags der Kämpfer des Warschauer Aufstands. Das Gedenken an die Erhebung gegen die Nazis gehört zu den wichtigsten Jahrestagen Polens. Am Tag darauf hielt der Erzbischof seine inzwischen berühmt-berüchtigte Hetz-Rede.

Maas erklärte: Es müsse in Deutschland noch mehr ins Bewusstsein gerückt werden, „wie viele sich hier in Warschau Hitler entgegengesetzt haben“. Er hob die „unglaubliche Widerstandskraft“ der Polen hervor.

Wie tschechische Medien am Wochenende berichteten, hat sich nun auch das Oberhaupt der katholischen Kirche in Tschechien, Dominik Kardinal Duka (76), der umstrittenen Erklärung der polnischen Bischofskonferenz angeschlossen, die die angebliche „LGBT-Ideologie“ in Polen kritisiert, die „die gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen“ revolutionieren wolle.

Hintergrund: Der CSD in der tschechischen Hauptstadt Prag am Wochenende. Auch hier kam es zu Protesten religiöser Fanatiker.

LGBTQ in Polen

Eingetragene Lebenspartnerschaften oder Eheschließungen bleiben Schwulen und Lesben in Polen weiterhin verwehrt. Und obwohl homosexuelle Handlungen bereits 1932 legalisiert wurden, nehmen die homofeindlichen Töne unter der rechtskonservativen Regierung wieder massiv zu.

Bei zwei CSD-Demonstration im polnischen Bialystok und Plock kam es zu Gegendemonstrationen. Derweil die Gewalt beim CSD in Bialystok vor drei Wochen noch in heftigen Kämpfen mit der Polizei eskalierte, verlief der zweite „Marsch der Gleichstellung“ am Samstag in Plock weitgehend friedlich.


Mit Polizei-Hundertschaften wurden die CSD-Teilnehmer am Wochenende in Plock vor Gegendemonstranten beschützt
Mit Polizei-Hundertschaften wurden die CSD-Teilnehmer am Wochenende in Plock vor Gegendemonstranten beschütztFoto: AGENCJA GAZETA / Reuters

Zwar protestierten junge Nationalisten, gewaltbereite Hooligans, glühende Anhänger der „Allpolnischen Jugend“, die katholische Kirche und nicht zuletzt die rechtsnationalistische Regierungspartei unter Jaroslaw Kaczynski (70) gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben in Polen, gleichzeitig zeigte die queere Community aber immer deutlicher: Wir gehören zur Gesellschaft dazu und lassen uns nicht vertreiben.

Gegenüber BILD erklärte ein polnischer LGBTQ-Aktivist: „Polen ist auch unser Land.“

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