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Mit Anis Amri befreundet: Islamist plante Anschlag auf Shopping-Center

TATP, der Sprengstoff in seiner Wohnung in Berlin hätte gereicht, um das Gesundbrunnen-Center (100 Shops) im Stadtteil Wedding in die Luft zu jagen – davon ist der Generalbundesanwalt überzeugt.

Er war eng mit dem Terrormörder Anis Amri vom Breitscheidplatz befreundet, der im Dezember 2016 zwölf Menschen in den Tod riss. Jetzt steht Magomed-Ali C. (31) vor Gericht.

► Wer ist Magomed-Ali C.?

Geboren in Agidel-Beschkirien, russischer Pass, Schuhmachermeister. Seit 2011 ist er in Deutschland, wo sein Asylantrag abgelehnt wurde. Weil er eine „psychische Erkrankung“ angab, wurde ihm am 7. Dezember 2017 eine Duldung bis Dezember 2019 bewilligt.

C. lebte in einer Mietwohnung im 3. Stock eines Hochhauses im Norden Berlins – bisher ist unklar, womit er seinen Lebensunterhalt bestritt. C. gehörte den Ermittlungen zufolge zum radikal-islamistischen Umfeld der berüchtigten Fussilet-Moschee.

Die Anklage (Az. 2BJs115/19-8) wirft ihm „Vorbereitung eines Explosionsverbrechens“ vor. Wenn das stimmt, entging Berlin 2016 nur knapp einem weiteren fürchterlichen Terroranschlag mit vielen Toten.

Der Vorwurf

Im Oktober 2016 soll der Angeklagte „eine nicht unerhebliche Menge“ des Sprengstoffs Triacetontriperoxid (TATP) in seiner Wohnung gebunkert haben. Seinem „unmittelbar vor der Ausführung stehenden Anschlagsvorhaben“ schloss sich laut Anklage Anis Amri (24) an. Ziel der Islamisten war Ermittlungen zufolge das Einkaufszentrum „Gesundbrunnen-Center“.

Aber Magomed-Ali C. geriet ins Visier des LKA. Fürchtete wohl, entdeckt worden zu sein. Er brach die Anschlagsvorbereitung deshalb ab, so die Anklage.

Beunruhigend: Es ist unklar, wo sich der Sprengstoff befindet, den der Verdächtige im Oktober 2016 in seiner Wohnung lagerte.

Der andere Mittäter Clement B. floh hastig nach Frankreich. Dort wurde er verhaftet, bevor er dort bomben konnte.


Jeans und Pullover, an Händen und Füßen gefesselt, über dem Kopf eine blaue Steppjacke: Magomed-Ali C. Ende August 2018 auf dem Weg zum Haftrichter in Karlsruhe
Jeans und Pullover, an Händen und Füßen gefesselt, über dem Kopf eine blaue Steppjacke: Magomed-Ali C. Ende August 2018 auf dem Weg zum Haftrichter in KarlsruheFoto: REUTERS

Terror-Komplize Clement B. (22) wurde in Marseille verhaftet
Terror-Komplize Clement B. (22) wurde in Marseille verhaftetFoto: picture alliance/AP Photo

Anis Amri steuerte am 19. Dezember 2016 einen Lkw auf einen Berliner Weihnachtsmarkt
Anis Amri steuerte am 19. Dezember 2016 einen Lkw auf einen Berliner WeihnachtsmarktFoto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Anis Amri machte in Berlin allein weiter und steuerte am 19. Dezember 2016 einen Lastzug in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Die Terrorbilanz: zwölf Tote, mehr als 50 Verletzte. Laut Anklage war Magomed-Ali C. ebenfalls kurz davor, in Berlin zum Massenmörder zu werden. Seit 22. August 2018 sitzt er in Haft. Er schweigt zu den Vorwürfen.

30 Verhandlungstage sind geplant. Das Urteil wird am 20. Dezember erwartet.

Terroristen nennen das Teufelszeug „Mutter des Satans“

TATP gilt als Standard-Sprengstoff der Islamisten. „Es ist so gefährlich, da kann die Nachbarschaft von Glück reden, dass nichts Schlimmes passiert ist“, sagt ein Ermittler des Berliner Staatsschutzes im August 2018 gegenüber BILD. Nach Angaben von Experten hat TATP die 80-prozentige Sprengkraft von TNT.

Ein Kilogramm könnte „Tote und Verletzte im Umkreis von 50 Metern oder mehr“ verursachen. Doch bereits wenige Gramm dieses Stoffes haben eine verheerende Wirkung: Das Gemisch TATP – Triacetontriperoxid – ist hochexplosiv. Die Grundprodukte wie Aceton, Wasserstoffperoxid und Schwefelsäure sind in jedem Baumarkt zu bekommen.

Doch der Herstellungsprozess ist schwierig, dauert Stunden und ist gefährlich: Reibung, Stöße, Wärme oder Funken könnten TATP jederzeit zur Explosion bringen. Bereits beim Mischen der Grundstoffe besteht akute Explosionsgefahr.