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Leipzig: Lieber Schere als Studium!

Leipzig – Das Handwerk beklagt seit Jahren Nachwuchsprobleme. Immer weniger Schulabgänger hätten Lust auf eine klassische Lehre. Aber: Inzwischen machen immer mehr Abiturienten nach dem Gymnasium eine Lehre. Friseurin Jeanne Marie Tutein (22) ist eine von ihnen.

Am Samstag erhielt die Leipzigerin als eine von 438 Absolventen ihren Gesellenbrief. Sie wurde Jahrgangsbeste – und ist froh, dass sie doch nicht Jura studiert hat. „Als ich meiner Mutter sagte, dass ich Friseurin werden will, war sie skeptisch und schon auch enttäuscht.“

Bereut hat sie die Entscheidung aber nicht. „Das Abi war mit Sicherheit nicht umsonst. Die Berufsschule fiel mir leicht. Vielleicht, weil ich mich auch besser organisieren konnte und einfach auch deutlich älter war. Ich habe nicht erwartet, dass mich jemand an die Hand nimmt und war auch nicht sauer, wenn ich mal putzen musste.“


Jeanne Marie
Jeanne MarieFoto: Anika Dollmeyer

Als Nächstes will Jeanne Marie ihren Meister machen und eine zusätzliche Stylisten-Ausbildung. Sie geht auch ohne Uni ihren Weg – und ist keine Ausnahme.

Laut Handwerkskammerpräsident Claus Gröhn ist der Abiturienten-Anteil unter den Handwerks-Azubis in den letzten Jahren von sechs auf rund 13 Prozent gestiegen.

Gröhn: „Trotzdem ist noch Luft nach oben. Wir fordern daher schon lange, dass auch an Gymnasien eine Berufsorientierung stattfindet, die universitäre und berufliche Ausbildung gleichwertig behandelt. Jungen Menschen muss vermittelt werden, dass es im Handwerk vielfältigste Karrieremöglichkeiten und erfüllende Jobs gibt.“

Nachwuchs wird immer gesucht: In der Lehrstellenbörse waren zum Ausbildungsstart noch 500 freie Stellen für den Kammerbezirk Leipzig zu finden.


Jeanne Marie (3.v.r.) bei der Gesellenbriefübergabe der Handwerkskammer. Ganz rechts: Handwerkskammerpräsident Claus Gröhn
Jeanne Marie (3.v.r.) bei der Gesellenbriefübergabe der Handwerkskammer. Ganz rechts: Handwerkskammerpräsident Claus GröhnFoto: Anika Dollmeyer