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Fall Georgine: Leiche nicht entdeckt, weil Polizei nicht in alle Keller sah? | Regional

Tag 5 im „Mord-Prozess ohne Leiche“. 13 Jahre nach dem Verschwinden von Georgine Krüger († 14) wird Ali K. (44) von der Vergangenheit eingeholt, ist vor dem Berliner Landgericht angeklagt. Die Staatsanwaltschaft will ihn als Mörder von Georgine überführen. Ihm droht lebenslange Haft.

Berlin – Wurde Georgines Leiche nicht entdeckt, weil die Polizei nicht in alle Keller kam? Diese Frage stellte sich, nachdem am Mittwoch ein Kriminalbeamter im Mord-Prozess vor dem Landgericht ausgesagt hatte.

Zwei Tage nach Georgines Verschwinden durchsuchte 2006 eine Hundertschaft der Polizei die Häuser in der Stendaler Straße Nr. 1 bis 23 in Berlin-Moabit vom Keller bis zum Dachboden. „Aber nur die Räume, die offen waren“, erinnert sich ein Kripo-Mann (60) vor Gericht.

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Im Keller des Angeklagten konnten keine Spuren zu Georgine gefunden werden

Foto: Olaf Selchow

In verschlossene Keller seien die Beamten damals nicht gegangen. „Wir hatten keine Durchsuchungsbeschlüsse“, so der Kripo-Mann. „Konnte man in die Kellerabteile gucken, wurde allenfalls mit Taschenlampen reingeleuchtet.“ Georgines Leichnam soll damals im Keller von Ali K. gelegen haben.

Der Familienvater wohnte in der Stendaler Straße 3. Später soll er die Leiche in den Hausmüll geworfen haben. Sie wurde nie gefunden.

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Ali K. (44) ist angeklagt, äußert sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen

Foto: Paul Zinken / dpa

Bereits zwei Tage nach ihrem spurlosen Verschwinden ging die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus. „Üblicherweise übernimmt das LKA solche Fälle erst nach zehn Tagen“, so der Ermittler, „hier war die Mordkommission fast von Anfang an dabei.“

Das sagt ein ehemaliger Mitschüler

Der zwei Jahre ältere Mitschüler Patrick war damals der Schwarm von Georgine. „Ich kann mich kaum an sie erinnern“, sagt der heute 29-Jährige. „Sie hatte mir einen Liebesbrief geschrieben, den übergab ich der Polizei.“

Er habe sich zusammen zwei Freunden am 25. September 2006 nach der Schule im Park mit Georgine getroffen. Sie hätten sich lustig gemacht über sie, „weil sie wohl an Hexen glaubte“. Danach fuhren alle gemeinsam mit dem Linienbus M27 nach Hause, stiegen jedoch an unterschiedlichen Haltestellen aus.

Georgine kam nie zu Hause an.

Ein Urteil soll am 1. November fallen.