/Erdölfeld in Niedersachsen: Millionen Liter verseuchtes Wasser ausgetreten

Erdölfeld in Niedersachsen: Millionen Liter verseuchtes Wasser ausgetreten

Emlichheim (Grafschaft Bentheim) – Jahrelang sind aus einem Erdöfeld in Niedersachsen Millionen Liter gesundheitsschädliches Wasser ausgetreten. Und es hat offenbar niemand bemerkt!

Erst jetzt ist dem Betrieber und den Behörden aufgefallen, dass bei der Einpressbohrung in Emlichheim seit vier Jahren unbemerkt bis zu 220 Millionen Liter Lagerstättenwasser in den Untergrund ausgetreten sind.

„Obwohl das Rohr auf einem Abschnitt von 60 Metern Länge durchrostet war, wollen Betreiber Wintershall und das Landesbergamt als Aufsichtsbehörde jahrelang nichts von dem massiven Leck gemerkt haben“, kritisierte Detlev Schulz-Hendel von den niedersächsischen Grünen.


Henner Ehlers, Biologe und Probenehmer des Umwelt-Labors Eurofins, entnimmt einen Bohrkern einer Erkundungsbohrung im Grundwasserabstrombereich einer schadhaften Einpressbohrung
Henner Ehlers, Biologe und Probenehmer des Umwelt-Labors Eurofins, entnimmt einen Bohrkern einer Erkundungsbohrung im GrundwasserabstrombereichFoto: Friso Gentsch / dpa

BILD fragte nach: Warum blieb das Leck so lange unbemerkt?

„Diese Frage ist Bestandteil der aktuell laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, daher können wir dazu nur generelle Aussagen tätigen. Es ist der Betreiber, der in der unternehmerischen Eigenverantwortung handelt. Daher ist zu klären, ob das Unternehmen die technisch erforderlichen Überwachungsmaßnahmen eingesetzt hat“, sagt Sprecher Björn Völlmar vom zuständigen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) zu BILD.

Grünen-Umweltpolitiker Detlev Schulz-Hendel ist sicher: Die Richtwerte zum Schutz des Grundwassers seien um ein Vielfaches überschritten worden. Die Unbedenklichkeitsschwelle für das krebserregende Benzol würden um den Faktor 423, die für Chlorid, Bor und Barium um mehr als das 200-Fache überschritten.

Die Sicherheitsvorkehrungen hätten eklatant versagt, kritisiert Detlev Schulz-Hendel.


Bei den Untersuchungen zu dem ausgetretenen Lagerstättenwasser auf dem Erdölfeld der Wintershall Dea GmbH soll eine Erkundungsbohrung das Ausmaß aufklären
Bei den Untersuchungen zu dem ausgetretenen Lagerstättenwasser auf dem Erdölfeld der Wintershall Dea GmbH soll eine Erkundungsbohrung das Ausmaß aufklärenFoto: Friso Gentsch / dpa

In Emlichheim liegt eines der ältesten Erdölfelder Deutschlands. Dort fördert der Erdölproduzent Wintershall Dea seit 75 Jahren Erdöl.

Die Bohrung dient dazu, Wasser aus der Lagerstätte des Erdölfeldes, das zusammen mit dem Öl nach oben gefördert wurde, zurück zur Lagerstätte zu pressen. Seit Oktober 2018 ist die Bohrung außer Betrieb.

Firmensprecher Stefan Leunig zu BILD: „Die Bohrung Em 132 besteht aus zwei Stahlverrohrungen – einem Innenrohr, durch das das Lagerstättenwasser eingepresst wird und einem Außenrohr zur Abdichtung der Bohrung gegen das umgebende Gestein. Beide Rohre sind korrodiert. Die Ursachen sind aktuell Gegenstand weiterer Untersuchungen.“

Bei der Untersuchung auf dem Ölfeld sind die Bohrungen bei einer Tiefe von 80 Metern angekommen. Gefunden wurde nichts.

„Alle Proben und Ergebnisse der bislang durchgeführten Untersuchungen haben ergeben, dass es derzeit keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit oder des Landökosystems gibt“, erklärt Firmensprecher Leunig gegenüber BILD.