/Dortmund: Hatte Ralf H. genug Kraft für Mord an Nicole Schalla?

Dortmund: Hatte Ralf H. genug Kraft für Mord an Nicole Schalla?

Dortmund – Mit dicken Stahlhandschellen sind die Hände des Angeklagten gefesselt. Konnte Ralf H. (54) damit vor 26 Jahren ein Mädchen ermorden?

Im Prozess um den Tod von Nicole Schalla († 16) aus Dortmund hatten die Verteidiger zu dieser Frage ein Gutachten gefordert. Denn der gelernte Bäcker hatte erklärt, er könnte nach Handball-Unfällen seit spätestens 1980 nicht mehr fest zupacken. Also habe er das Mädchen 1993 auch nicht erwürgen können.


Nicole Schalla (†16) wurde 1993 getötet
Nicole Schalla (†16) wurde 1993 getötet Foto: Privat

Der Experte sah das anders: „Eine dauerhafte Funktionsstörung der Hände hat es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gegeben. Untersuchungen zeigen zudem, dass schon ein Druck von drei bis fünf Kilo ausreicht, um ein Zungenbein zu brechen“, sagte Handchirurg Dr. Wolfram Teske (53) am Montag.

Der Angeklagte jammerte erneut über seine Haftbedingungen. Er habe etwa in einem dunklen Raum auf den Gutachter warten müssen.

Rückblick

Am 14. Oktober 1993 war Nicole Schalla nach 22 Uhr in die Buslinie 462 gestiegen. Gegen 22.45 Uhr hatte sie den Bus in der Nähe ihres Elternhauses in Dortmund verlassen. Ein fremder Mann soll ihr gefolgt sein. Am nächsten Tag wurde ihre Leiche durch eine Zeitungsbotin gefunden. Nicole wurde unter anderem erdrosselt.

Im Sommer 2018 klickten allerdings die Handschellen. Ralf H. war in Münster als dringend tatverdächtig festgenommen worden, weil mit neuester Technik seine DNA an der Leiche von Nicole entschlüsselt werden konnte.