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DDR: Fluchthelfer gesucht!

Leipzig – Am Montag jährt sich zum 30. Mal das Paneuropäische Picknick an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich, nach dem rund 600 DDR-Bürger spontan flüchteten.

Mario Geisler (59) war die Flucht schon zehn Tage vorher gelungen – mit Hilfe eines spanischen TV-Teams, das die lebensgefährliche Aktion filmte. Nun sucht der Leipziger seine Helfer von damals – um einfach noch mal DANKE zu sagen.

„Mit ein paar anderen Leuten hatten wir es vorher schon versucht, uns aber verirrt und waren erst beschossen und dann festgenommen worden. Nach zwei Tagen Haft durfte ich zurück“, erinnert sich der Dachdecker.


Eine Videokassette und ein Erinnerungsfoto hat er noch. Jetzt hofft der Leipziger auf ein Wiedersehen mit seinen Rettern von damals
Eine Videokassette und ein Erinnerungsfoto hat er noch. Jetzt hofft der Leipziger auf ein Wiedersehen mit seinen Rettern von damalsFoto: Anika Dollmeyer

„Im Malteser-Hilfslager in Budapest sprach mich dann eine junge Frau an, Blanca. Sie war Reporterin. Ich wollte mich ausruhen, verstand kaum, was sie mir versuchte zu erklären. Doch sie versprach: Ich weiß einen Weg! Ich zeige ihn Dir. Ich hatte nichts zu verlieren.“

Am 9. August 1989, noch vor Sonnenaufgang, brach die Gruppe auf. Neben Mario waren noch zwei andere Ostdeutsche, Alex und Jens, dabei. „Wir liefen ewig über Wiesen, durch Wald und Maisfelder. Manchmal standen ausgeschlachtete Trabis am Weg. Wir stiegen über Zäune. Keine Ahnung, wie weit es war.“

Aber irgendwann hätten da plötzlich rot-weiße Schleifen in den Bäumen gehangen.


Geisler (Mi., hinten) mit dem Fernsehteam und seinen Mitflüchtlingen
Geisler (Mi., hinten) mit dem Fernsehteam und seinen MitflüchtlingenFoto: Anika Dollmeyer

Geisler: „Wir sahen einen See und ein Dorf. Alex rief Leuten im Garten zu: Ist das Österreich? Wir hatten es tatsächlich geschafft!“ Und Blanca und ihre Kollegen ließen weiter die Kamera laufen.

Gemeinsam ging es nach Wien, dann mit dem Zug nach Friedland in ein Flüchtlingslager. „Im Dezember kam eine Videokassette und ein Brief aus Spanien. „Aufwiedersehen“, schrieb die Spanierin. Auf dieses Wiedersehen hofft er nun.