/Bonn: Polizist (23) tötet Polizisten (23) – Waffe verwechselt?

Bonn: Polizist (23) tötet Polizisten (23) – Waffe verwechselt?

Bonn – Mit gesenktem Kopf sitzt Niklas H. (23) im Bonner Landgericht. Er weint. Ihm gegenüber sitzt die Eltern seines Opfers. Auch die Mutter kann die Tränen nicht zurückhalten.

Prozessauftakt gegen den Polizisten, der seinen Kollegen Julian Rolf (†23) erschossen hat. Wegen fahrlässiger Tötung muss er sich verantworten.


Das Opfer: Polizisten Julian Rolf (†23)
Das Opfer: Polizisten Julian Rolf (†23)Foto: Mario Jüngling

Die Polizisten hatten am 26. November letzten Jahres mit sogenannten „Rotwaffen“ trainiert, aus denen kein Schuss abgegeben werden kann. Anschliessend sollten sie im Polizeipräsidium am Schiessstand mit scharfen Waffen weiterüben, bereiteten sich im Umkleideraum und holten ihre scharfen Waffen. Dann auf dem Flur plötzlich der Schuss.


Die Tat passierte am 26. November im Bonner Polizeipräsidium
Die Tat passierte am 26. November im Bonner PolizeipräsidiumFoto: Mario Jüngling

Richter Klaus Reinhold deutlich: „Wir haben hier einen Menschen, dem nicht vorgeworfen wird, einen anderen vorsätzlich getötet zu haben. Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, was passiert ist.“

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Niklas H. aus Spaß mit der Rotwaffe auf den Kollegen gezielt und geschossen hat. Doch das bestreitet der Polizist, der zum 1. September seinen Dienst quittiert hat.

Sein Verteidiger Christoph Arnold: „Herr H. hat nicht in Verwechslung der Waffen absichtlich auf den Kollegen geschossen. Auch nicht um irgendeinen perfiden Spaß zu machen. Das hätte er nie getan.“

Vielmehr habe Niklas H. seine schussbereite Dienstwaffe ins Holster gesteckt, dann gedacht, dass sie nicht richtig eingerastet war. Der Angeklagte: „Es hat nicht so geknackt wie sonst.“
Mit einer Holzpistole, die ihn der Richter gibt, macht er vor, wie er die Waffe vor dem Oberkörper hält. Kontrollieren habe er sie wollen. Dann habe er sich durch ein Geräusch erschreckt: „Da fiel schon der Schuss.“

Richter Reinhoff: „Ich habe schon mit dem Ding geschossen. Das geht nicht los, wenn man es anguckt.“

Wer hat wo gestanden?

Wie ist der junge Polizist aus dem Umkleideraum gegangen? Detailliert fragt der Richter nach, zeigt auch Skizzen und Tatortfotos. „Keine Menschen“, sagt er beruhigend. Doch auf einigen Fotos ist viel Blut zu sehen. Fürsorglich warnt er Niklas H. und die Opfer vor: „Jetzt die Augen zumachen.“

Niklas H. drohen bis zu fünf Jahre Haft.