/BILD in der Feuerstadt Cuiabá: „Diese Brände werden von Menschen gemacht“

BILD in der Feuerstadt Cuiabá: „Diese Brände werden von Menschen gemacht“

Die Rauchwolken über der Stadt sind kilometerweit zu sehen, es brennt immer wieder, mal mehr, mal weniger. Aber irgend einen kleinen Brand gibt es in Cuaibá, der 600 000 Einwohner-Stadt am Rande des Amazonas-Gebiets, immer. Und das schon seit mehreren Monaten.

BILD-Reporter sind vor Ort und erleben die Brände, die so häufig lodern, dass keine Feuerwehr sie mehr löschen kann.

Es sind zwei Flugstunden von Sao Paulo, heißer und feuchter ist es im Landesinneren, am Nachmittag 35 Grad.

Jetzt ist Cuiabá die Feuer-Stadt. Hier beginnt der Regenwald, wo die Brände so schlimm geworden sind, dass die ganze Welt über sie spricht. Auf den Straßen der Stadt, Richtung Amazonas, kann immer ein Feuer ausbrechen.

So wie am Samstagnachmittag. Wir erleben an einer Hauptstraße, wie ein Busch nach dem anderen abbrennt, für sich genommen ein kleines Gebiet. Aber wenn man sich klarmacht, dass es hier Tausende solcher Brände gebiet und sie sich tief im Regenwald noch viel schneller ausbreiten, ist es ein Ausmaß, das unvorstellbar erscheint.

Claudia (42), die in der Nähe der Feuerstelle an der Hauptstraße wohnt, ist wütend über Europa. Und die Politiker, die mit dem Finger jetzt auf Brasilien zeigen. „Die haben alle nur Vorurteile gegenüber Bolsonaro, deshalb reden sie so viel darüber. Natürlich ist es in diesem Jahr besonders schlimm, aber Brände hat es immer gegeben.“


Claudi (42) ist wütend auf Europa
Claudi (42) ist wütend auf EuropaFoto: Giorgos Moutafis

Jair Bolsonaro, der brasilianische Präsident, war zwar schon vorher als besonders radikal aufgefallen, wird jetzt aber insbesondere durch den G7-Gipfel als DER Bösewicht für die Feuer verantwortlich gemacht.

Claudia sieht das nicht so: „Diese Brände werden von Menschen gemacht, für die das ein Spiel ist, aus welchen Gründen auch immer, manchmal geschäftliche Interessen, manchmal einfach nur eine weggeworfene Zigarette.“

Tatsächlich geben die Anwohner hinter vorgehaltener Hand zu, dass sehr oft wirtschaftliche Interessen hinter den Bränden stecken.

Ein weiterer Anwohner, der seinen Namen nicht nennen will: „Es geht ganz einfach um Flächen, die die Bauern hier nutzen wollen. Für das Futter, das sie den Rindern geben, die Ihr dann in Europa esst.“


BILD-Reporter Paul Ronzheimer und Giorgos Moutafis in der Feuer-Stadt Cuiaba
BILD-Reporter Paul Ronzheimer und Giorgos Moutafis in der Feuerstadt CuiabaFoto: Giorgos Moutafis

Wissenschaftler sehen tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Bränden und der allgemeinen Abholzung. Zehn Kommunen mit den aktuell meisten Bränden wiesen in der Vergangenheit auch die höchsten Abholzungsraten des Amazonasgebiets auf.

Die Brandstelle, die wir beobachten, wird nicht von der Feuerwehr gelöscht. Stattdessen kommt ein junger Mann, der mit zwei Kanistern voll Wasser versucht, einige Flammen zu löschen.


Ein verzweifelte Szene mit Symbolcharakter: Mit einem kleinen Wasserkanister versucht ein junger Mann die Feuer am Straßenrand zu löschen. Die Feuerwehr ist nicht in Sicht
Ein verzweifelte Szene mit Symbolcharakter: Mit einem kleinen Wasserkanister versucht ein junger Mann, die Feuer am Straßenrand zu löschen. Die Feuerwehr ist nicht in SichtFoto: Giorgos Moutafis

Enzo (26): „Ich bin hier, um die Flammen zu löschen, irgendwelche Kriminelle waren das und keiner tut etwas“
Enzo (26) kämpft mit Wasser aus dem Bach gegen das Feuer“Foto: Giorgos Moutafis

Enzo (26): „Ich bin hier, um die Flammen zu löschen, irgendwelche Kriminelle waren das und keiner tut etwas. Darum habe ich Wasser aus einem Bach geholt. Ich rufe gleich meinen Cousin, weil das Feuer hier immer größer wird.“

In der Feuer-Stadt Cuaibá ist es manchmal Zufall, ob ein Brand gelöscht wird oder nicht …